Vortrag

Paris: Hauptstadt des 19. Jh. – I. Paris wird neu gebaut

Stadtplanung von Napoleon I. bis Haussmann

Schaffhausen

Datum: 18.10.2017

oder 19.10.2017

Treffpunkt: Schneiderstube, Vordergasse 51, 8200 Schaffhausen

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Paris wird neu gebaut

Boulevard des Italiens, um 1900

Eugène Haussmann (1809–1891) – genial und rücksichtslos – einer der grössten Stadtplaner der Architekturgeschichte

Im 19. Jh. wurden grosse Teile von Paris neu erbaut, ohne dass eine Zerstörung durch Stadtbrand oder Krieg Anlass dazu geboten hätte. Dieser nie dagewesene Vorgang war hauptsächlich dem Modernisierungswillen geschuldet. Strategische Überlegungen zur besseren Übersicht in möglichen Strassenkämpfen mögen mitgespielt haben.

Anstelle der engen, verwinkelten Gassen sollten weite, licht- und luftdurchflutete Boulevards das Stadtbild prägen. Seit den 1840er-Jahren erreichten aus allen Richtungen sechs Eisenbahnlinien Paris. Der Transport zwischen den neuen Kopfbahnhöfen wurde zu einem wichtigen Anliegen.

Schon unter Napoleon I. wurde ab 1801 entlang des Tuillerienparks die Rue Rivoli mit einem gleichmässigen Saum von edlen Mietshäusern neu angelegt. Die grossen Änderungen fanden ab 1850 unter Napoleon III. statt. Sein grosser Stadtplaner war Eugène Haussmann (1809–1891), der mittels Zwangsenteignung die mittelalterlich bebauten Grundstücke für den Staat relativ günstig aufkaufte, quer über die bisherigen Parzellen die neuen Strassenzüge legte und die neu umrissenen Grundstücke teuer an Spekulanten veräusserte. Aus dem Gewinn wurde die Infrastruktur mit Frischwasser, Kanalisation, Gasbeleuchtung und prachtvollen Boulevards finanziert.

Daraus wurde, was Walter Benjamin Paris – Hauptstadt des 19. Jahrhunderts nannte. Der Text zählt zu den kulturgeschichtlichen Meilensteinen in der Wahrnehmung dessen, was wir heute «Visuelle Kultur» nennen.